Der Wamperte

Nördlich von Hörersorf steht auf einem Acker (Grundstücksnummer 3648), neben dem Bahndamm ein seltsamer, aus Ortsstein-Mauerwerk gefügter Bildstock. 

 

Der Wamperte". Gedrungener, aus Ortsstein-Mauerwerk gemauerter, nicht verputzter und mit einem Steinkreuz bekrönter Wegmarkierung.

 

In den Steinen zahlreiche z.T. stark verwitterte Spuren von Einritzungen. An der Südost-Seite die 9 cm hohe Einritzung eines Gesichts. 

Hin und wieder findet sich die Meinung, dass es sich dabei um "eine römische Wegmarkierung" handelt. Dr. A. Klaar, Professor an der Technischen Hochschule in Wien hat das Denkmal fachmännisch beurteilt, und konnte dabei folgendes feststellen:

Der breit aufgebaute Feldbildstock stammt aus der Zeit um oder bald nach 1500.

 

Der massige Unterteil ist aus behauenen Steinplatten erbaut und wird durch eine große viereckige Platte aus der Zeit um oder kurz nach 1500 abgeschlossen.


Die darauf gesetzte spitzgogige gotische Nische ist noch älter!  Die dürfte wohl aus einem abgebrochem Gebäude aus dem 14. Jahrhundert stammen (Mitscha-Märheim, 1973)

 

Das jetzige Steinkreuz wurde erst in den 1990er Jahren daraufgesetzt.

 

 recherchiert und bebildert von Harald Hartmann, Klosterneuburg (Fotos vom 22.02.2011)

 

Foto: Josef Dienbauer, 2012
Foto: Josef Dienbauer, 2012

Weitere Beschreibung von Christa Jakob:

 

Der „Wamperte“, wie schon der Name sagt, ist ein wuchtiger, dicker Bildstock mit achteckiger Grundform. Geheimnisvoll und sagenumwoben steht er auf freiem Feld in der Flur „Unterbirting“. Die Errichtung wird in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zugeschrieben.
Erst in der Nähe zeigt sich, welches Unikum dieser Bildstock aus rotem Sandstein ist. Der massive Unterteil ist aus behauenen Steinplatten erbaut und wird durch eine große viereckige Platte (aus der Zeit um 1500) abgeschlossen. Die darauf gesetzte spitzbogige gotische Nische dürfte wohl von einem abgebrochenen Gebäude des 14. Jahrhunderts stammen, vielleicht aus der Hörersdorfer Kirche, die Spuren zahlreicher Umbauten aufweist, oder von der alten 1785 abgerissene Wallfahrtskirche St. Anna.
Zwischen 1992 und 1996 hat ein Blitzschlag das Kreuz vom Wamperten beschädigt. 

Er wurde ausgebessert und ein altes aus Sandstein gemeißeltes, möglicherweise romanisches Kreuz aufgesetzt.
Seine Geschichte beginnt damit, dass er als römische Wegsäule bezeichnet wird, doch das Errichtungsdatum wird von Fachleuten auf das 15. Jahrhundert datiert. So widersprüchlich wie die Beurteilung seines Alters sind auch die Geschichten rund um den Wamperten. Karl Lukan spricht in seinem "Weinviertel" sogar von einem eingemauerten Bösewicht. Eine andere Geschichte erzählt, dass die Schweden, die während des 30jährigen Krieges das Land verwüsteten, einen Pfarrer umgebracht und eingemauert hätten.
Wind und Regen haben die Bausteine glattgeschliffen, Initialen und seltsame Zeichen sind darauf zu sehen. Im oberen Teil, über dem vorkragenden Schaft, befinden zwei durch behauene Steine umrahmte Nischen. Den Abschluss bildet ein Steinkreuz.

Foto: Josef Dienbauer, 2012
Foto: Josef Dienbauer, 2012

Lustige Geschichte von Hörersdorfern aus vielen Generationen überliefert:

Der „Wamperte“ hat bei den Hörersdorfern sogar einen eigenen Namen. Er wird von den Einheimischen liebevoll "Michl" genannt. Und Michl gibt sogar Antwort auf eine bestimmte Frage. Wenn man beim "Wamperten" in die Nische hinein "schreit": „Michl was tuast’n?“ dann antwortete er „nichts“ (er sagt nichts). So wurden die Kinder bis heute von Generation zu Generation  "hineingelegt" und zum "Michl" geschickt, um es selbst zu erfahren wie er antwortet! Der Michl ist eine Besonderheit, er ist der urtümlichste von den vielen Bildstöcken des Weinviertels.
Um seine Entstehung ranken sich viele Vermutungen. Das Weinviertel hat eine sehr leidvolle Geschichte. Einige Bildstöcke übten eine magische Funktion aus und waren an den Dorfgrenzen als Abwehr gegen alles Übel, wie Feinde oder Krankheiten, aufgestellt worden.

Eine andere Möglichkeit wird in Erwägung gezogen, denn die Bauzeit fällt in die Zeit, wo Johannes Hus als Ketzer verbrannt wurde. Die Hussitenkriege begannen, sich 1425 auch nach Niederösterreich auszudehnen. Vielleicht wurde er als Schutzfunktion errichtet – man weiß es nicht.
In unserer Zeit wird Radiästhesie (Strahlenempfindlichkeit) immer mehr ernst genommen. Viele Bildstöcke stehen an bestimmten „Orten der Kraft“, also über positiv wirkende Strahlungen, die von Wasseradern geschaffen werden.
Steht man vor dem Wamperten, so hat man das Gefühl – man möchte ihn umarmen.                                                                         (Quelle: Christa Jakob)

 

 

Andere Historiker meinen wieder, sie sei ein in altes Wegzeichen, das seinen Ursprung in der Römerzeit hat und dessen oberer Teil aus einer späteren Epoche (14. Jahrhundert) stammt. Von den zwei Fenstern, die als Platz für Öllichter dienten, ist eines gotisch und eines aus der Renaissance.

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Wenn ein Stein erzählen könnte

 

"When a stone is thinking back" nannte unser damals 13-jähriger Hörersdorfer Musik-Virtuose Johannes Beranek seine Komposition.
Auf Deutsch übersetzt: "Wenn ein Stein erzählen könnte", womit Johannes unseren Hörersdorfer "Wamperten" (Steindenkmal, mit über 500-jähriger Geschichte) meinte,  und "ihn" in seinem musikalischen Stück "erzählen" ließ.
 
Die Uraufführung von "When a stone is thinking back" durch die Jugendkapelle Staatz im Rahmen des Staatzer Kirchenkonzertes war Ende August 2011:

 

 

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